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Das Parathormon und der Calcium-Stoffwechsel

Die Nebenschilddrüsen oder Epithelkörperchen sind paarig angelegt und liegen an der Rückseite der Schilddrüse. Die meisten Menschen besitzen vier Nebenschilddrüsen, aber in 10% der Patienten werden überzählige (5-8) Nebenschilddrüsen beobachtet. Sie produzieren das Parathormon, das sich nach dem lateinischen Namen (Glandula parathyroidea) benennt. Das Parathormon reguliert den Calcium-Stoffwechsel und löst dazu Calcium aus dem Knochen und steigert die Calcium-Aufnahme in Niere und Darm. Vermittelt werden die Anhebung des Serumcalciumsspiegels über das Parathormon.

Ursachen einer Nebenschilddrüsenüberfunktion (Parathormon)

Bei einer Nebenschilddrüsenüberfunktion, dem sogenannten Hyperparathyroidismus, kommt es zu einem erhöhten Spiegel an Parathormon und damit verbunden auch zu einem erhöhten Calciumspiegel im Blut, der sogenannten Hypercalcämie. Die Hypercalcämie durch die Nebenschilddrüsenüberfunktion verursacht Symptome wie Nierensteine, Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwüre, Knochenabbau (Osteoporose) und Knochenschmerzen. Nicht selten können auf genaues Nachfragen auch neurologische Symptome wie depressive Verstimmung, Antriebslosigkeit und Abgeschlagenheit festgestellt werden, die von einem Überschuss an Parathormon verursacht werden. Da viele der Symptome sehr häufig isoliert vorkommen und für sich genommen unspezifisch sind, werden sie häufig verkannt. Diagnostiziert wird dieses Krankheitsbild zunächst durch die Bestimmung von Parathormon und Calcium im Blut, gefolgt von einer Sonographie und nuklearmedizinischen Untersuchung, der SestaMIBI-Szintigraphie.

Nebenschilddrüsenadenom und MEN-Syndrome

Man unterscheidet die primäre Nebenschilddrüsenüberfunktion, die in über 80% der Fälle auf ein einzelnes Nebenschilddrüsenadenom zurückzuführen ist, von einer sekundären Variante, die am häufigsten im Rahmen einer terminalen Niereninsuffizienz und chronischer Hämo-Dialyse auftritt. Selten wird die primäre Nebenschilddrüsenüberfunktion im Rahmen sogenannter MEN-Syndrome (steht für Multiple Endokrine Neoplasie) diagnostiziert, bei der endokrine Tumore an unterschiedlichen Lokalisationen entstehen. Sie werden in Typ 1-3 unterteilt, wobei der Typ 3 früher als Typ 2b bezeichnet wurde. Beim MEN 1 Syndrom (auch Wermer-Syndrom nach seinem Entdecker Paul Wermer) können neben der Nebenschilddrüsenüberfunktion in absteigender Häufigkeit endokrine Tumore in der Bauchspeicheldrüse, der Nebenniere, der Hypophyse, der Lunge und dem Thymus entstehen. Der primäre Hyperparathyroidismus wird in einem solchen Fall meist nicht durch ein Nebenschilddrüsenadenom verursacht, sondern durch eine Hyperplasie aller 4 Nebenschilddrüsen, die üblicherweise mit einer milderen Erhöhung des Parathormon einhergeht. Ausgelöst werden MEN-Syndrome durch bestimmte Veränderungen des Erbgutes, sog. Mutationen im MEN-1 Gen und im RET-Protoonkogen. Das Wissen um solche MEN-Syndrome ist für die Operationsplanung wichtig und kann durch humangenetische Untersuchungen gesichert werden. Operationen können, wenn ein einzelnes Nebenschilddrüsenadenom vorliegt und vor der Operation lokalisiert wurde (Szintigraphie und Sonographie) in minimalinvasiver Technik erfolgen. Bei negativer Lokalisationsdiagnostik, also wenn man nicht weiß, wo das Nebenschilddrüsenadenom liegt, werden alle vier Drüsen über einen kleinen Schnitt unweit der Drosselgrube exploriert (sog. Bilaterale Exploration). Der Eingriff wird in Vollnarkose vorgenommen und ist mit einem stationären Aufenthalt von ca. zwei Tagen verbunden.